Interventionen

15 I

Interventionen

Den König spielen die anderen.Lehrsatz im Theater.

Einführung in das Element: Interventionen

Textauszug (KK 15-I)

Der Mediator als Dritter im Konflikt ist selbst eine Intervention und seine gesamte kommunikative Arbeit mit dem Konfliktsystem stellt sich als Abfolge von Interventionen dar. Dabei gibt es noch kein einheitliches oder abgeschlossenes Verständnis in der Mediationsbewegung zu Interventionen. Eine derartige Methodenlehre der Mediation befindet sich allenfalls in den Anfängen von Forschung und Lehre.

Es ist dringend erforderlich darüber Klarheit zu erlangen, inwieweit das Tun der Mediatorin wirksam und reproduzierbar ist und damit auch erlernbar. Mediation erscheint dann nicht mehr (nur) als Kunst oder Wissenschaft, sondern als Handwerk, dessen Tätigkeiten

-beobachtbar und beschreibbar sind,

-einer kritischen Würdigung und wissenschaftlichen Diskussion zugeführt werden können und

-wiederholbar wirksam und letztlich erlern- bzw. lehrbar sind.

 

Eine Intervention setzt sich aus der Intention der Mediatorin und ihrem daraus folgenden Verhalten zusammen und bewirkt (bewusst oder unbewusst) Wirkungen beim Konfliktsystem.

Wie schon in der Kommunikation nach Watzlawick festgestellt, kann letztlich auch die Mediatorin nicht nicht intervenieren.

 

Intervention des Mediators = Haltung gegenüber dem Konfliktsystem + Ausdruck.

 

 

I. Interventionsansätze

 

Verschiedene grundlegende Interventionsansätze lassen sich letztlich in den Mediationsstilen (KK 11-Mst) identifizieren. Sie mischen die Basisgedanken der Mediation – Ausgleich, Vermittlung, Transformation – in unterschiedlichen Verhältnissen und agieren auf dieser Grundlage unterschiedlich in Mediationen. Qualitative Forschung fehlt bisher zu dieser Annahme.

 

II. Interventionsebenen

 

Es lassen sich verbale, nonverbale und strukturelle Interventionsebenen differenzieren. Verbale Interventionen nutzen die Kraft und Wirkung unserer Sprachfähigkeit, während nonverbale Interventionen sich keineswegs im Schweigen, in der Gestik und Mimik des Mediators erschöpfen. Hierzu zählen auch die Selbstinszenierungen des Dritten (Kleidung, Auftritt etc.). Für ein hilfreiches Ankoppeln (Rapport herstellen) sollte der Mediator hierauf keineswegs zu wenig Zeit verwenden.
Strukturelle Interventionen beziehen sich zumeist auf den Kontext des Konfliktsystems (Umwelt) und wirken bei Veränderungen auf dieses zurück. Hierzu zählen etwa die Einschaltung von Vierten, z.B. Rechtsanwälten, Gutachtern oder auch Konfliktbetroffene, oder aber auch die Gestaltung des Mediationssettings, der Raumatmosphäre, der Sitzungs- und Pausenlängen bzw. Sitzungsintervallen. Während bspw. für einen Konflikt die iterative Wiederholung von zweistündigen Sitzungen sinnvoll ist, ist für einen anderen Konflikt das zweitägige „Einschließen im Hotel“ zu bevorzugen.

 

III. Interventionsgruppen

 

Die Vielfalt der Möglichkeiten zu intervenieren lässt sich zwar in grobe Raster gruppieren, indes aber nicht immer randscharf. Die Übersicht über die mediativen Interventionen wird zudem noch dadurch erschwert, dass die Terminologie keineswegs einheitlich ist. So gibt es für das verbale Wiedergeben des Gesagten durch den Mediator eine Unmenge an Bezeichnungen, die keineswegs immer auch Unterschiedliches bezeichnen ( Loopen, Aktives Zuhören, Reframen, Reformulieren, Redefinieren, (wortwörtliches) Paraphrasieren, Spiegeln etc.).

Unser Praxistipp

Fragen sind die Antworten des Mediators

Wenn es etwas gibt, was Jemand im Konflikt von anderen tun kann, um bei der Lösung zu helfen, dann ist das Fragen zu stellen.

Welches Tool eignet sich in Mediationen besonders gut, um Fragen zu stellen?

Phasenbezogene Fragen in der Mediation

Wir empfehlen und benutzen besonders gern das Tool "Neun-Felder-Modell" von Rieforth.

KARTEIKARTEN UND BLOGBEITRAG ZUM ELEMENT

Themengebiete des Elements (KK)

Die Themengebiete der Elemente werden durch Karteikarten erschlossen. Diese sind das Begleitmaterial der Aus- und Fortbildungsversanstaltungen von INKOVEMA.

Aktuelle Karteikarten zum Element
KK 15-I 01 Einführung in die Interventionslehre der Mediation
KK 15-I 02 Interventionsverständnis
KK 15-I 03 Destruktive Interventionen
KK 15-I 04 Verständnissicherung durch Loopen
KK 15-I 05 Vertiefung Loopen
KK 15-I 06 Bedürfnisse formulieren
KK 15-I 07 – Vier Arten des Zuhörens
KK 15-I 08 Kommunikative Bezogenheit herstellen
KK 15-I 09 Das Dialogisieren und das Doppeln

 

KK 15-I 10 Fragen als Intervention
KK 15-I 11 Das gute Fragen
KK 15-I 12 Offenheit der Fragestellung
KK 15-I 13 Wertschätzende Befragung
KK 15-I 14 Phasenbezogene Fragestellungen
KK 15-I 15 Systemtheoretisch fundiertes Fragen
KK 15-I 16 Überblick zirkuläre Fragen
KK 15-I 17 Die systemtheoretische Interaktionsmatrix für die Mediation
KK 15-I 18 Das Neun-Felder-Modell lösungsorientierten Fragens
KK 15-I 21 Orientierungsmodell der Meta-Ziele für Fragekompetenz
KK 15-I 22 Fragen zur Konfliktanalyse

 

KK 15-I 26 Interventionen, um einen Perspektivenwechsel anzuregen
KK 15-I 27 Die Ich-Botschaft
KK 15-I 28 Reframing, Reformulieren, Drastifizieren, Entdramatisieren

 

KK 15-I 31 Strukturelle Interventionen – Vierte in der Mediation

Blogbeitrag zum Element

5 Leistungen, für die Du keinen Mediator bezahlen solltest

und 3, für die Du gar nicht genug bezahlen kannst!

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